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Kolumne:

Das Leben in China - Kann man sich wirklch anpassen?


Anpassen kann man sich an alles! An zu hoehe Kraftstoffpreise, an den momentanen Rosa-Trend, an Gammelfleisch aber auch daran, dass die CDU wieder Regierungspartei ist. Jedoch stellt die Anpassung an das chinesische Leben eine Art Heruasvorderung dar. Das Ziel, sich nurnoch durch die Augenform von den Chinesen zu unterscheiden, foerdert viele Kuriositaeten ans Tageslicht. Manche sind bemerkenswert, andere unverstaendlich fuer unseren Kulturkreis.

Wer kennt diese Blicke nicht, die sich auf denjenigen richten, der in den voll besetzten Bus pfurzt. Auch die Gaswolke, die sich nach der Entladung im Bus verteilt, wird sicherlich aufs gruendlichste beurteilt und mit Blicken bestraft. In China ist das anders! Oft kommt es mir so vor, als wenn das kollektive Gefurze zur guten Sitte gehoert. Vieleicht ist es auch ein paralleler Komunikationsweg. Auf der anderen Seite muss man sich vor Augen halten, dass dieses Pfurzgas frei von Feinstaub ist! Je Pfurz verkleinert sich der Anteil an Feinstaub im freien Gas! Ist Pfurzen nun ein Beitrag zur besseren Luft, zur sauberen Umwelt? Wohl kaum! Aktiver Umweltschutz und Chinesen sind soweit von einander entfernt, wie St.Goar und St.Goarshausen um 2.oo Uhr Nachts. Mein Beitrag zur Anpassung habe ich in diesem Bereich bereits geleistet. Ich trenne keinen Muell mehr und werfe die vollen Tueten auch nicht mehr in den leeren Muellcontainer im Hof. Schliesslich ist vor dem Container mehr Platz und ich bekomme zusaetzlich die Moeglichkeit mein dasein als "Besserverdiener" zu unterstreichen. Der low-cost Arbeiter, der die Saecke letztendlich in den Container wirft, braucht ja auch eine Daseinsberechtigung.

In Sachen Gesundheit sind sie sehr auf Zack. Auf den Strassen sieht man viele Chinesen mit Mundschutz, wie man es normalerweise von Dr. Brinkmann kennt. Gerade der Mundschutz verhindert, dass sich im Mund eine Feinstaubduene bildet. Doch wenns sich mal ein Staub-Schwalbennest im oberen Kehlkopf gebildet hat, so wird es mit grosser Geraeuschkulisse demontiert und auf die Strasse befoerdert. An trockenen Tagen kommt es mir oft so vor, als haette es Quallen auf den Buergersteig geregnet. Mit gleichem Ergeiz wird der Ohrdreck entfernt. Man soll es nicht glauben, aber hierzu hat der Chinese ein spezielles Equipment entwickelt. Mit kleinen Loeffelchen, die man sich praktischer Weise an den Schluesselbund machen kann, ist es jedem moeglich die Staubhalde im Ohr wegzuschaufeln. Um den weiteren Einsatz des Werkzeuges nachhaltig zu gewehrleisten, wird es nach jedem Arbeitsgang fein saeuberlich an der Hose abgeputzt - Mahlzeit.

Anpassen heisst auch im ubertragenen Sinne sich so zu kleiden. Wenn es um Alltagskleidung geht, ist der Chinese schmerzfrei und erleichtert dem West-kultuerellen die Anpassung, sofern er gerne Pyjamas traegt. Meist sitzen sie da, im weiss-blauen Bavariamuster und warten auf die naechste U-Bahnstation. Der Kleidungsindustrie ist es zu verdanken, dass es mitlerweile Pyjamas mit WM2006-Logos gibt. Auch die Baby-Chinesen sind in Sachen Funktionskleidung bestens versorgt. So gibt es die Schnell-Scheisser-Hosen, dass sind solche, die dem Gesaess kein Versteck bieten. Mit anderen Worten, der A.... liegt frei! Wenn der kleine Wurm mit Reis abgefuellt wurde und nun einen leichten Druck im Gesaessbereich verspuehrt, so ist es des Erzeugers Pflicht den kleinen Schlitz-aeugler in ca. 0,5m Hoehe zu liften. Ein bislang unentdecktes Komando gibt dem Quaelgeist nun das Zeichen, seine 36 Grad warem Fracht in den Rinnstein zu befoerdern. Dort bleibt sie liegen, bis ein low-cost Arbeiter sie entfernt oder eine Rigscha sie in ganz Shanghai verteilt.

Der Otto-Normal Chinese kennt beim Heimwerken keine elektrsichen Geraete. Fuer was braucht man auch eine HILTI - Wenn der Wanddurchbruch um 11 Uhr Morgens fertig sein soll, wird eben um 2 Uhr Nachts angefangen. Bei einem solchen Vorfall waere im deutschen 100-Parteinen Hochhaus der Ausnahmezustand ausgebrochen. In China kuemmert es keine Sau. Ausser einen Deutschen, der im 10ten Stock im Dreieck springt und vor Wut fast uber kocht.

Als Fazit kann man sagen, dass es sich alles schrecklich anhoert, dass es sich aber auch sehr schnell relativiert. Man kann dem ewig lachenden Chinesen nicht lange boese sein, auch wenn er mal auf deine Schuhe geschneutzt hat.
Vieleicht werde ich spaeter ueber weitere Sitten schreiben. Jetzt werde ich mir erst mal meinen Pyjamer ueberziehen und zum Starbucks eine Kaffee trinken gehen ;-)))

Gruss aus Big Shanghai
Martin Kuhn / Okt.2006



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 Martin Kuhn, St.Goar Werlau